Fasten – für ein neues Lebensgefühl

 

Fasten wird wieder modern. In vielen Medien werden vor allem nun zum Jahreswechsel wieder verschiedene Fastenkuren angepriesen und promotet. Doch was ist Fasten überhaupt und wie wirkt es?

 

 

Eine einheitliche Definition von Fasten gibt es nicht.

 

 

Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung etwa bezeichnet Fasten als der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit. Bei dieser Definition wird schon deutlich, dass weder der Zeitraum, noch die Begriffe: feste Nahrung oder Genussmittel näher beschrieben werden. Es bleibt also viel Interpretationsspielraum, der auch gern genutzt wird.

 

Die wohl bekannteste Art des Fastens ist die des Heilfastens nach Buchinger. Dabei wird für etwa 5-15 Tage konsequent auf feste Nahrung verzichtet. Es werden pro Tag nur etwa 250 -300 kcal in Form von Fruchtsäften und Gemüsebrühen verzehrt. Weiterhin sollten während der Zeit zusätzlich ca. 3 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser und Kräutertee getrunken werden. Diese Art des Fastens ist recht streng und sollte nur unter der Aufsicht eines erfahrenen Fastenleiters durchgeführt werden. Die richtige Einleitung des Fastens und das Fastenbrechen sind Teil der Fastenkur und verhindern unter anderem, dass nach dem Fasten mehr Gewicht zugenommen wird, als zuvor abgenommen wurde (Vermeiden des Jojo-Effektes).

 

 

Es gibt verschiedene Arten des Fastens.

 

 

Neben dem verhältnismäßig strengem Fasten nach Buchinger gibt es weitaus sanftere Fastenkuren. Beliebt ist z.B. der zeitlich limitierte Verzicht auf nur eine bestimmte Lebensmittelgruppe. Fleisch oder Süßigkeiten sind die Spitzenreiter. Diese Art des Fastens kann ohne Vorbereitung und Vorkenntnisse begonnen werden. Sie führt aber selten zu wesentlichen Erfolgen, da das ‚verbotene‘ Lebensmittel meist durch andere ersetzt wird.
Aber zum Glück gibt es ja auch einen Mittelweg. Im Falle des Fastens sogar mehrere, ein paar Beispiele sind:

 

  • Obst-und/oder Gemüsefasten (im Idealfall gleich als Saft)
  • Saftfasten/-kur (heute als ‚Fasten mit Smoothies‘ popülär)
  • Rohkostfasten (derzeit eher als ‚Raw-Food‘ in aller Munde)
  • Basenfasten (auch ‚Detox-Kur‘ genannt)

 

Bei all diesen Kuren werden nur Lebensmittel aus bestimmten Gruppen gegessen und/oder auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Auch für diese Kuren wird der interessierte Leser je diverse Anleitungen finden und wahrscheinlich auch widersprüchliche Aussagen zur Durchführung.

Eine weitere Art des Fastens, die erst vor kurzem Aufmerksamkeit in den Medien erlangte, ist das

  • intermittierte Fasten.

 

Hier geht es vorrangig um die Zeiträume zwischen den Mahlzeiten, die Nahrungskarenz, und nicht um die Nahrungsmittel, die verzehrt werden. Das intermittierte Fasten ist noch recht unbekannt, die Wissenschaft allerdings ist sehr interessiert an dieser Art des Fastens, die z.B. von buddhistischen Mönchen und Yogis seit langer Zeit praktiziert wird. Als optimal gelten derzeit Fastenphasen von 12-16 Stunden, was auch langfristig im Alltag umgesetzt werden kann.

 

 

Fastenkuren wirken sich positiv auf die Gesundheit aus.

 

 

Trotz der deutlichen Unterschiede der Fastenmethoden, konnten bei dem Fasten nach Buchinger und dem intermittierendem Fasten verbesserte Körperfunktionen wie z.B. eine bessere Schlafqualität, eine größere Ausdauer und weniger chronische Erkrankungen beobachtet werden.
Bisher können Wissenschaftler noch nicht vollends erklären, was während des Fastens in der Zelle wirklich stattfindet. Sie gehen auch davon aus, dass Fasten bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Auswirkungen haben kann, was z.B. mit der üblichen Lebensführung jedes einzelnen zu tun haben könnte.
Übergewichtigen Personen kann Fasten z.B. helfen, den Blutdruck innerhalb weniger Wochen zu senken. Langfristig kann Körperfett reduziert und die Gefäßgesundheit gesteigert werden.
Bei normalgewichtigen Personen wird davon ausgegangen, dass Fasten zur Verbesserung der Gesundheit und der Verlangsamung des Altersprozess führt. Entzündungsparameter wie Zucker und Cholesterol im Blut werden gesenkt, Ausdauer, Schlafqualität und Herzgesundheit werden verbessert.
Weiterhin wirkt sich Fasten auch positiv auf die Psyche aus. Gerade in Kombination mit Entspannungstraining und Meditation kann die Konzentration an Stresshormonen messbar sinken.  Das Nervensystem schaltet auf Regeneration und Erholung.

 

 

Fasten bedeutet eine intensive Auseinandersetzung mit der Ernährung und mit sich selbst.

 

 

Fasten ist kein neuer Trend, der erst Einzug in unsere Gesellschaft erhielt, als es Nahrung im Überfluss an jeder Straßenecke zu kaufen gab und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung sich ein paar Pfunde weniger wünschte. Es ist auch keine Erfindung eines Arztes, der die gravierenden Folge von Übergewicht erkannte. Fastenzeiten haben eine lange Tradition, sie sind Bestandteil fast aller Religionen, sind aber auch hier nicht einheitlich definiert. Eins jedoch hat das Fasten in allen Religionen gemeinsam: es geht nicht um die perfekte Figur, sondern um das Innerliche.
Nicht selten zieht mit dem Fasten eine gewisse Leichtigkeit des Seins in das Leben ein. Es ist eine wunderbar Zeit, bestehenden Ballast abzuwerfen…damit sind nicht nur Pfunde gemeint. Da die Gedanken klarer werden und die Laune ausgeglichener, kann die Fastenkur von der Ernährung in das Umfeld ausgedehnt werden. Das kann unliebsamer Hausrat und ungetragene Kleidung sein, aber auch negative Gedankenmuster und Gewohnheiten. Während der Körper sich allmählich von Schadstoffen und Ballast befreit, kann auch der materielle und geistige Ballast leichter abgeworfen werden.

 

 

Mit Fasten kann ein neuer Lebensstil etabliert werden.

 

 

Ganzheitliche Fastenkuren beinhalten nicht nur den Verzicht auf feste Nahrung, sondern dienen als idealer Start in ein neues Leben. Die Kur ist guter Anlass alte und/oder ungeliebte Lebensmuster abzulegen. Darüber hinaus stehen auch Achtsamkeitstraining und Bewegungseinheiten iwe z.B. Yoga auf dem Plan. Viel Zeit an der frischen Luft in der Natur gehört ebenfalls dazu. Häufig entstehen in der Fastenzeit neue Ideen und Ansätze die Lebensgewohnheiten nachhaltig zu ändern.
Beobachtungen zeigen, dass Menschen, die fasten, sich häufig intensiver mit den Lebensmitteln, die sie während der Fastenkur zu sich nehmen auseinandersetzen. Sie beschäftigen sich meistens schon vor der Fastenphase detailliert mit dem Thema Ernährung und Lebensmitteln. Dabei spielen nicht nur Inhaltsstoffe eine Rolle, sondern oft auch Herkunft und Erzeugungsbedingungen. Oft greifen diese Menschen dann zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln, die gern das Bio und/oder Fair-Trade Label tragen. Dieses Verhalten wird auch auf andere Güter übertragen, die Menschen kaufen und verhalten sich häufig im Ganzen nachhaltiger und leben bewusster. Nicht selten führt eine Fastenkur (egal welcher Länge und welcher Art) zu einer neuen Sicht und der Verzicht wird positiv als Herausforderung: als Befreiung gesehen.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Petra Schwarz (Dienstag, 09 Januar 2018 21:23)

    Danke für die schöne Übersicht zum Thema Fasten!
    Gerade sind ja die verschiedensten Formen von Fasten wieder populär.